Inszenierungen und Lesungen

Hoffmanns Rezeption auf der Bühne setzte bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Heute inszenieren Theater immer wieder moderne Bearbeitungen seiner Erzählungen oder veranstalten Lesungen. Aufführungen von Hoffmanns musikalischen Werken sind dagegen selten.

Jacques Offenbach: Hoffmanns Erzählungen / Les Contes d'Hoffmann

Die internationale Wirkungsgeschichte E.T.A. Hoffmanns ist in hohem Maße durch die populäre Oper von Jacques Offenbach geprägt, die 1881 in Paris uraufgeführt wurde.

Sie basiert auf Hoffmanns Erzählungen Der Sandmann, Rat Krespel und Die Abenteuer der Sylvester-Nacht. Jules Paul Barbier und Michel Carré legten sie zunächst einem Schauspiel zugrunde, das 1851 uraufgeführt wurde. Später entwickelte Barbier daraus auf Wunsch Jacques Offenbachs ein Opernlibretto.

Umgeben von einer Rahmenhandlung, in der Hoffmann als dem Trunk ergebener, melancholischer und häufig verliebter Dichter charakterisiert wird, schildert die Oper auf der Basis des Sandmann aus den Nachtstücken Hoffmanns Liebe zum Automaten Olympia, zur Sängerin Antonie, der Tochter des Rat Krespel aus den Serapionsbrüdern, und zur Kurtisane Giuletta aus der Geschichte vom verlorenen Spiegelbild aus Die Abenteuer der Sylvesternacht, kombiniert mit Elementen aus dem Peter Schlemihl Adelbert von Chamissos. Die Reihenfolge der Episoden variiert in den verschiedenen Fassungen.

Die Oper ist in französischer oder deutscher und in Übertragungen häufig auf Bühnen weltweit zu sehen.

Zum Wikipedia-Artikel
Inszenierungen

Moderne Bühnenbearbeitungen

Bamberg

Im E.T.A. Hoffmann-Haus finden in unregelmäßigen Abständigen Führungen und literarisch-musikalische Soireen statt, die der Schauspieler Andreas Ulich und die Pianistin Anna Köbrich gestalten. Auf der Corona-Bühne der Zeitung Fränkischer Tag präsentiert Andreas Ulich Die Eierfrauen von Nürnberg aus E.T.A. Hoffmanns unvollendet gebliebener Erzählung Der Feind, da die Lesung am 4.4.2020 nicht wie vorgesehen stattfinden konnte.

Das Bamberger E.T.A. Hoffmann-Theater hat in der Spielzeit 2015/6 eine Bearbeitung von Die Elixiere des Teufels in der Regie von Hannes Weiler inszeniert. Auf ETA@home ist der Mitschnitt abrufbar. Online anhören können Sie auch Daniel Dietrichs Lesung des Sandmann in fünf Teilen.

Das Bamberger Marionettentheater hat eine Produktion des Sandmann im Repertoire, die regelmäßig auf dem Spielplan steht.

Duisburg: Don Juan. OPERA e MOTION
(Uraufführung 10/2020, Theaterkantine Duisburg, Regie: Bettina Rutsch)

Die Tänzerin und Literaturwissenschaftlerin Bettina Rutsch inszeniert Hoffmanns Novelle Don Juan als Hybrid aus Tanz, Theater und Oper. Dieses neue Format der Inszenierung ‚OPERA e MOTION‘ soll „große Opern auf kleinem Raum erzähl[en] und ertanz[en]“. (Bettina Rutsch, Rez. RP)

„Neben der Vorlage von E. T. A. Hoffmanns Don Juan. Eine fabelhafte Begebenheit, die sich mit einem reisenden Enthusiasten zugetragen, einer romantischen Künstlernovelle von 1813, verwendet Bettina Rutsch auch kurze Auszüge aus anderen Texten seiner sogenannten Fantasiestücke in Callots Manier. Aus diesem Konvolut baut sie sich geschickt ihren Spieltext, kreiert einfallsreich eine dazu passende Choreografie und fügt alles gut durchdacht zu einer äußerst geschlossenen Inszenierung zusammen. Das Ergebnis sind drei Handlungsebenen als Erzählstränge.“ (Olaf Reifegerste, Rez. RP)

Rezension der Rheinischen Post
Rezension der WAZ (Paywall)
Fotos der Inszenierung
Flyer Don Juan

Düsseldorf: Der Sandmann
(Spielzeit 2016.17, 2018.19 und 2019.20 am Schauspielhaus Düsseldorf, Regie: Robert Wilson)

© Lucie Jansch

Die Uraufführung der Sandmann-Inszenierung des Lichtkünstlers Robert Wilson wurde 2017 bei den renommierten Ruhrfestspielen Recklinghausen uraufgeführt. Für die musikalische Untermalung des Schauspiels holte Wilson die britische Musikerin Anna Calvi ins Boot, die bereits veröffentlichte Songs wie »I whip the night« beisteuerte, aber auch neue wie »The Hurricane« komponierte. Die Handlung trägt sich nicht über Dialoge, sondern durch das Kreieren einer emotionalen Atmosphäre, die den entfachten Wahnsinn des psychisch instabilen Nathanael erlebbar werden lässt. Wilson gelingt es, den Kern der Erzählung zu pointieren und mit minimalistischer Ästhetik durch Ton-, Farb- und Lichtgestaltung in groteske Kontraste zu übertragen. Obgleich die humorvolle Überspitzung der Darstellungsleistung konzeptuell sinnvoll erscheint, droht sie das ein ums andere Mal ins Alberne abzugleiten. Dennoch lässt sich resümieren: Die Aufführung oszilliert zwischen silhouettenhafter Romantik, moderner Lichtinstallation und progressiven, horrifizierenden Elementen und ist damit nicht zuletzt phantastisch.

Schauspielhaus Düsseldorf – Der Sandmann
Offizieller Trailer
Rezension im Newsblog des E.T.A. Hoffmann Portals

Gelsenkirchen: ›Steampunk‹-Oper: Klein Zaches, genannt Zinnober
(Spielzeit 2015.16 und 2018.19 am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, Regie: Sebastian Schwab)

© Pedro Malinowski

In der Spielzeit 2015.16 führte das Musiktheater im Revier die ›Steampunk‹-Oper Klein Zaches, genannt Zinnober auf, die aufgrund des großen Erfolgs in der Spielzeit 2018.19 wiederaufgenommen wurde. Die textnahe Inszenierung wurde dabei in Zusammenarbeit mit der Berliner Band ›Coppelius‹ erarbeitet, die nicht nur in Zusammenarbeit mit der Neuen Philharmonie Westfalen die Stücke komponiert haben, sondern zudem die Hauptrollen spielen. Die weiblichen Rollen – die Fee Rosabelverde sowie Candida – wurden von der Sopranistin Ulrike Schwab verkörpert.

Die Oper greift die Aspekte der Wissenschaftsparodie, der Aufklärungskritik und der Gesellschaftssatire des Märchens auf und überspitzt sie mit zahlreichen popkulturellen Anspielungen, ohne den zwischen subtil und plakativ changierenden Hoffmannschen Humor zum Possenspiel werden zu lassen. Wer sich von einer ›Steampunk-Oper‹ klassische Arien und gediegene Töne erhofft, wird hier enttäuscht. Dafür wird hier etwas Neues geboten: Die gelungene Kombination aus klassischer Oper, Musical und rockigem Steampunk-Konzert mit einem ironisch-romantischen Märchenstoff lockt nicht nur ein junges Publikum ins Theater, sondern ist auch progressiv und hochgradig experimentell – und somit nichts anderes als genuin romantisch!

Die erhöhte Nachfrage, besonders der Coppelius-Fans, hat dazu geführt, dass es zukünftig eine BluRay der Oper geben wird.

»Klein Zaches, genannt Zinnober«; MiR (mit Bildern der Inszenierung und Audio-Spuren)
Informationen zur Inszenierung auf dem E.T.A. Hoffmann Portal
Rezension im Newsblog des E.T.A. Hoffmann Portals
Offizieller YouTube-Trailer zur Oper
»Kein Land so schön« – YouTube-Trailer zur Wiederaufnahme in der Spielzeit 2018.19

Stuttgart: D3R 54NDM4NN. Frei nach E.T.A. Hoffmann

(Premiere: 24.09.2021, FITZ; Figurenkombinat & Christian Müller)

Olimpia ist eine absolute Traumfrau und die perfekte Partnerin für schöne Momente zu zweit. Mit ihr an deiner Seite gehören Langeweile und Einsamkeit der Vergangenheit an. Bereits vor über 200 Jahren hat sich E.T.A. Hoffmann mit Automaten beschäftigt. Sein Protagonist Nathanel ist hin- und hergerissen zwischen einem Menschen und einer Puppe. Die Verbindung von klassischer Literatur mit einer Sexpuppe ist gewagt. Was macht das komplexe Verhältnis
Mensch-Maschine aus? Über welche Rollen- und Genderbilder sprechen wir? Was ist normal, was pervers? Wann steigert sich die Phantasie in den Wahnsinn? Eine assoziative Expedition in eine unbekannte, aber
nicht allzu ferne Zukunft!

25.09.21_20:30
26.09.21_19:00
07.10.21_20:30
08.10.21_20:30
09.10.21_20:30

Homepage des FITZ  | D3R 54NDM4NN Flyer

Wasserburg: Hoffmanns Erzählungen
(Spielzeit 2020.21, Regie: Uwe Bertram)

»Es ist an der Zeit Hoffmann kennenzulernen!«, schreibt das Theater Wasserburg auf seiner Homepage zur aktuellen Inszenierung der auf Hoffmanns literarischem Werk basierenden Inszenierung Hoffmanns Erzählungen. In Anlehnung an Jacques Offenbach adaptiert Mario Eick, der selbst den Protagonisten Hoffmann verkörpert, das berühmte Opernlibretto als Theaterstück (Premiere 02. Oktober 2020).

»Hoffmann: ein an die Liebe verfallener, zwischen Kunst und Leben zerrissener Bohemian und schreibender Trinker, dem die absonderlichsten und phantastischsten Geschichten passieren«, heißt es zu Beginn. Die Inszenierung Eicks und Bertrams bringt die Ambivalenzen der Hoffmann’schen Texte und Figuren anschaulich auf die Bühne.

Theater Wasserburg Spielplan 2020/2021 
Kritik der Süddeutschen Zeitung 
Veranstaltungshinweis der SZ

Lesungen Hoffmann'scher Werke

Bibliothek Wetzlar: E.T.A. Hoffmanns „Serapionsbrüder“

Vortrag von Maren Bonacker
E.T.A. Hoffmann und die Serapionsbrüder

Ernst Theodor Amadeus Hoffmann gründete am 14. November 1818 mit einigen Schriftstellerfreunden den literarischen Kreis der „Serapionsbrüder“. Aus diesen Treffen heraus entstanden Texte rund um ein literarisches Quartett von Phantasten, die sich als „Serapionsbrüder“ bei abendlichen Treffen gegenseitig ihre ersonnenen Erzählungen und Märchen vorlasen, darunter „Das Fräulein von Scudéry“, „Die Automate“ oder „Nussknacker und Mausekönig“.

Indem hier die faszinierende Verbindung von Fakt und Fiktion, echtem literarischen Kreis und fiktiver Runde von Erzählern nachgespürt wird, soll der Abend Lust auf Hoffmanns erzählerisches Gesamtwerk und die am 24. September 2021 anstehende Vernissage des Wetzlarer Künstlers Peter Atzbach zum Skurrilen und Grotesken im Werk E.T.A. Hoffmanns machen.

Referentin: Maren Bonacker hat im Mai 2020 die Nachfolge von Bettina Twrsnick angetreten und leitet seither die Phantastische Bibliothek Wetzlar. Die studierte Anglistin und Romanistin liebt besonders die phantastische Literatur, wie E.T.A. Hoffmann sie als einer der Begründer geprägt hat – Texte, die in der uns vertrauten Welt spielen, aber durch übernatürliche Ereignisse ab einem bestimmten Punkt unser Urteilsvermögen ins Wanken bringen: Wieviel ist hier Traum, Phantasie oder Wahn, und wo ereignet sich tatsächlich ein Bruch mit der Wirklichkeit?

Der Eintritt ist frei. Es herrscht das Hygienekonzept „3G“, der Nachweis, ob Besucher geimpft, genesen oder negativ getestet wurden, ist bei Betreten der Phantastischen Bibliothek Wetzlar vorzulegen. Um einen reibungslosen Ablauf und eine angemessen lockere Bestuhlung garantieren zu können, wird um eine Anmeldung unter mail@phantastik.eu oder telefonisch unter 06441 – 4001-0 gebeten.

Der Vortrag bildet den Auftakt zu einer umfassenderen Veranstaltung rund um E.T.A. Hoffmann. Hier die Termine im Überblick:

Freitag, 24. September 2021, 19:00 Uhr
Vernissage: Das Skurrile und Groteske im Werk E.T.A. Hoffmanns
Zeichnungen von Peter Atzbach (Wetzlar)

Donnerstag, 30. September 2021, 19:00 Uhr
Der Einsiedler Serapion
(gelesen von Frank Bäcker)

Donnerstag, 7. Oktober 2021, 19:00 Uhr
Die Automate
(gelesen von Siegfried Meier)

Donnerstag, 14. Oktober 2021, 19:00 Uhr
Serapion und Rat Krespel
(gelesen von Harald Pfeiffer)

Donnerstag, 21. Oktober 2021, 19:00 Uhr
Die Bergwerke zu Falun
(gelesen von Angelika Nitschke)

Donnerstag, 28. Oktober 2021, 19:00 Uhr
Aus dem Leben dreier Freunde
(gelesen von Harald Pfeiffer)

Donnerstag, 4. November 2021, 19:00 Uhr
Nussknacker und Mausekönig
(gelesen von Maren Bonacker)

Sonntag, 7. November 2021, 11:00 Uhr
Finissage

Außer an der Vernissage und der Finissage wird der Künstler Peter Atzbach auch an den beiden Samstag den 2. und 16. Oktober 2021 von 15 bis 17 Uhr zu einem Künstlergespräch im Haus sein, außerdem am Abend der Lesung am 21. Oktober 2021.

Ticket-Info unter:
Tel. 06441 – 4001-0 oder Mail: zfl@phantastik.eu (Link hier)